„Ran da, Walter!“

Ach, wie werde ich diesen Ruf vermissen… Jedenfalls denjenigen, der in den letzten Tagen aus der inzwischen recht heiseren Kehle meines 13-jährigen Jung-Masters Moritz ertönte. Natürlich hat er auch manchmal den einen oder anderen Kollegen aus meiner Meute gerufen. Aber meistens doch mich, den Anführer: Walter!

Das waren dieses Mal ganz besondere Jagdreitertage in Köthen! Nicht nur, dass wir an zwei Tagen hintereinander ganz wundervolle Strecken in Köthen und in Krausnick laufen durften. Sondern insbesondere deshalb, weil ich mit meiner kleinen Elite-Truppe dem Jung-Master des BHC und seiner Equipage folgen durfte. Na ja, jedenfalls auf diesen schönen Jagden bei herrlichem Wetter waren wir brav und haben unserem Jung-Master gezeigt, wie gehorsam wir sein können – wenn es um die Wurst bzw. das Curée geht. Denn, Pfote aufs Hundeherz, in den Trainingswochen davor sind wir genau genommen nicht immer folgsam gewesen, sondern haben den Damen und Herren hoch zu Ross mal gezeigt, wie wichtig Geduld im Leben ist…. Mann, was für ein Spaß! Wenn wir zum Beispiel aus dem Kennel entlassen wurden und erst mal in alle Himmelsrichtungen davonstoben – schließlich wollten wir auch mal dieses herrliche Stückchen Erde am Pichersee, die Badestege und die Stallungen genauer begutachten. Ich sage meinen Jungs immer: Das ist Instinkt, dagegen sind wir machtlos.

Aber natürlich wusste ich am vergangenen Wochenende, wie wichtig unsere Performance auf den Jagden sein würde. Immerhin wollten wir weder unseren Chef-Master Hinrich Mönchmeyer, noch unseren Jung-Master Moritz enttäuschen. Und ebenso wenig die jeweiligen großzügigen Jagdherren, am Samstag Nicola und Tim Bröcker und am Sonntag Stephan Schweer und Christian v. Hammerstein. Und erst recht nicht das wahnsinnig nette Familienteam vom Pichersee, die mit einem ungeheuren Einsatz und großer Gastfreundschaft den Mitgliedern des BHC und allen Schleppjagd-Interessierten einen herrlichen Rahmen für die Jagden bieten. Selbst als uns einer frecher Hase über den Weg lief und uns zwei ach so zarte Stück Rehwild unverschämte Bemerkungen zuriefen, sind wir brav an den Pferdebeinen geblieben, da wir ja offiziell nur der Eukalyptus-Spur folgen… Und angesichts der Größe des Curée darf ich wohl davon ausgehen, dass wir niemanden enttäuscht haben, sondern richtig gut waren – mal abgesehen von zwei klitzekleinen Fehlern, als mein Temperament kurzfristig mit mir durchging (aber gerade wegen dieses Temperaments und meiner feinen Nasen bin ich ja der Beste unserer kleinen Elite-Truppe). Auch unsere Reiter und Pferde waren begeistert: Bei wunderschönem Wetter durch herbstliche Landschaft zu galoppieren, begleitet von den herrlichen Klänge der Jagdhornbläser „Rallye Dampierre“ und natürlich auch unserem melodischen Geläut – ein Traum!

Am Samstag Abend waren meine Jungs und ich sogar zu müde, um die Menschen um ihren gemeinsamen Jagdabend zu beneiden – obwohl das Wildschwein wirklich sehr verführerisch roch und offensichtlich ganz besonders köstlich war. Immerhin kamen wir auch in unserem Kennel in den Genuss, den Darbietungen der BHC-Jugend, dem Vortrag vom Alt-Präsidenten Günther Siegel zur Geschichte des BHC und dem wunderschönen Konzert der Bläser (Jagd- und Alphorn mit eindrucksvollem Schall über den Pichersee) zu lauschen. Und ganz besonders schön war es auch, den BHC´lern zuzuhören, wie sie bis spät in die Nacht um das Feuer herum saßen und zur Gitarre ein Lied nach dem andern sangen.

Jetzt ist es gut, wieder daheim bei meiner Großmeute und meinem Chef-Master Hinrich und seiner Frau Marita zu sein. Aber ich freue mich schon sehr auf unsere nächste Reise nach Brandenburg!

Bildergalerie Grosse Märkische Jagd 2015

Bildergalerie Gestütsjagd 2015

Fotos: C. Hänschen